Bild: Gewandung - Mode und Kleidung im Hochmittelalter / Link zur Startseite

Vorwort

Befasst man sich mit Mode im Mittelalter, bedeutet das zwangsläufig, dass man sich mit der Mode des Adels beschäftigt. Den anderen Ständen (Bauern und Städtern und der Geistlichkeit) sollten modische Accessoires eigentlich verboten sein oder nur eingeschränkt erlaubt (was nicht bedeutet, dass gegen diese Verbote nicht immer wieder verstoßen wurde). Der Adel wollte sich nicht zuletzt durch die Mode von den anderen Ständen deutlich abgrenzen. Die höfische Mode - besonders die der Frauen - ist daher vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie denkbar ungeeignet für körperliche Arbeit ist.

Grundsätzlich für die Beschäftigung mit dem Mittelalter gilt, dass nicht alles, was machbar war, auch gemacht wurde. Es gab so etwas wie ein Modediktat, dass nicht nur allein durch die technischen Möglichkeiten gegeben war, sondern auch anderen Einflüssen, wie z.B. Religion und Moralvorstellungen unterlag. Dieses "Diktat" wurde nicht etwa von einigen wenigen Personen erlassen, es entsprang vielmehr dem Zeitgeist.
Wenn für die Herrn Beinlinge und Cotta modern waren, dann wurden eben Beinlinge und Cotta getragen und nicht Hosen und Hemd, denn so etwas schickte sich nicht (allenfalls für Bauern). Ebenso galt für die Damen, dass man eben lange Kleider trug und keine Blusen und Röcke. Erwägungen, ob dieses oder jenes praktisch sei, waren irrelevant.
Das ist ungefähr vergleichbar mit einem 3-Liter-Auto im 20. Jahrhundert.
Technisch machbar ist es durchaus, aber der Zeitgeist will es eben anders.

Ein anderes grundsätzliches Problem beim Thema Mittelalter ist die Tatsache, dass aus dieser Zeit, besonders in Deutschland, nur relativ wenige archäologische Fundstücke existieren. Das Wenige, das nicht verrottet ist, wurde durch die Kriege der letzten 700 Jahre zerstört.
Erhalten geblieben sind lediglich ein paar Gewänder, die zum Reichsschatz gehörten und die eher rituellen Wert besitzen, also nicht als "Alltagskleidung" angesehen werden können. Ferner sind diverse Heiligengewänder übrig geblieben, die jedoch, dem christlichen Ideal der Armut folgend, eher durch Wegfall aller modischen Details auffallen.
Um sich dennoch ein Bild machen zu können, muss man auf bildnerische und schriftliche Quellen zurückgreifen, was jedoch - gerade im Mittelalter - die Gefahr der idealisierten Darstellung mit sich bringt. Dennoch sind diese Primärquellen immens wichtig, wenn man den Zeitgeist des Mittelalters verstehen will, denn gerade die Idealisierung gibt uns etwas vom mittelalterlichen Schönheitsideal preis. Wer wirklich "mittelalterlich" aussehen möchte, sollte auf jeden Fall dieses Schönheitsideal in Punkto Kleidung, Farbwahl, Kopfbedeckung, Haartracht, usw. anstreben.
Vorsicht ist dabei immer bei Sekundärquellen geboten, denn sie zeigen nicht das Original, sondern eine Interpretation des Autors/Zeichners und beinhalten somit stets die Gefahr der Verfälschung (dies ist besonders zu beachten bei "mittelalterlichen" Abbildungen aus dem 19. Jahrhundert). Auch bei modernen Kostümkundebüchern ist dann Vorsicht geboten, wenn es für ein Bild- oder ein Textquelle keine zeitliche Einordung und Quellenangabe gibt!
Letztendlich ist es immer ein schmaler Grad, auf dem man wandelt und hundertprozentig sicher kann man sich wohl nie sein. Aber man kann versuchen, sich dem Thema immer weiter anzunähern und man wird dabei immer wieder Neues und Überraschendes entdecken; und gerade das macht die Beschäftigung mit der Mode des Mittelalters so interessant.

Ein weiters Problem kann auftreten, wenn man sich in der "Mittelalterszene" bewegt. Dort gibt es einige szeneinterne "Erkenntnisse", die irgendwie zu einer Art Selbstläufer geworden sind. Jeder spricht davon und man stellt sie nicht in Frage. Wenn man allerdings ein wenig an der Oberfläche kratzt, hat man oft Schwierigkeiten, einen Beleg dafür zu finden ("Das machen alle so" ist jedenfalls keiner ;-)). Ich bin zugegebenermaßen auch auf einige dieser "Erkenntnisse" hereingefallen, weshalb ich z.B. einiges im Bereich Kopfbedeckung in meinem Referat und in meiner Ausrüstung ändern musste. Es ist wirklich nicht immer einfach, sich dem zu entziehen, deshalb möchte ich jedem Mut machen, seine Erkenntnisse selber zu verifizieren, egal wie kompetent der Vermittler auch gewirkt haben mag.

Im Folgenden möchte ich einen kleinen Überblick über die Mode des Hochmittelalters (ca. 1100 bis 1350) bieten. Zunächst einmal soll auf die Entwicklung der Kleidung eingegangen werden, denn nicht zu jeder Zeit waren die gleichen Gewandformen modern. Dann soll die Kleidung als solche beschrieben werden, wenn es irgend möglich ist, mit praktischen Tips zur Herstellung (hier wäre ich über Ergänzungen und Anregungen besonders dankbar (Dieser Punkt ist noch in Bearbeitung...). Ein eigenes kleines Kapitel wird den Kopfbedeckungen gewidmet. Zusätzlich werden alle verwendeten Fachbegriffe in einem Mini-Lexikon aufgeführt sein, mit den entsprechenden Links (Auch dieser Punkt wird noch bearbeitet, ebenso wie das Abbildungsverzeichnis).

Meine Arbeit beruht hauptsächlich auf folgenden Werken:

Die dort gewonnenen Erkenntnisse habe ich versucht, in Primärquellen zu verifizieren. Eine Auswahl dieser Quellen finden sich unter Abbildungsnachweise.
Dabei fällt dem aufmerksamen Beobachter sicher auf, dass ich sehr viele französische Abbildungen benutze, obwohl diese Abhandlung primär von der deutschen Modeentwicklung handelt. Im großen und ganzen kann man für Frankreich, England und Deutschland schon die gleiche Mode annehmen, mit der Einschränkung, dass Frankreich in Sachen Mode uns etwa 20 Jahre voraus war. Dies macht sich in dem bei uns betrachteten Zeitraum aber lediglich in Details bemerkbar. Dazu kommen noch regionale Modeunterschiede. Französische Abbildungen verwende ich daher nur, wenn ich mir (nach heutigem Stand der Dinge) sicher bin, dass dieser Trachtbestandteil so im betrachteten Zeitraum auch in Deutschland üblich war. Dies ist vor allem im Bereich der einfachen Kleidung gegeben, da sich diese teilweise über Jahrhunderte fast unverändert gehalten hat. Leider existieren nun einmal aus dem französischen und englischen Raum mehr Primärquellen.

Ergänzt wird das Ganze noch mit meinen eigenen Erfahrungen beim Nähen von diversen Kleidungsstücken und mit deren Umgang sowie anregende Gespräche und Gedankenaustausch mit anderen Gleichgesinnten.
Namentlich zu nennen sind dabei vor allem
Nicole Perschau
Lisa Wolber
Nicole Schneider
Ruth Hirschberg (leider hauptsächlich indirekt über das Forum bei Tempus Vivit)
und natürlich last but not least alle Mitglieder von Tempora Nostra ;-)

Für Anregungen und Verbesserungsvorschläge wäre ich sehr dankbar, man lernt schließlich nie aus.
Kontakt: Gabriele.Klostermann@tempora-nostra.de

Viel Spaß also beim Stöbern in der mittelalterlichen Mode!

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